Eugenio und Reina sind heute morgen zu einem Arzttermin nach Santiago gefahren und haben uns gefragt, ob wir mitfahren wollen. Das war natürlich ein tolles Angebot, das wir gerne annahmen. Leider klappt die Verständigung mit ihnen nur schlecht. Nicht nur wir verstehen sie kaum, sie uns interessanterweise auch nicht. Vielleicht liegt es daran, dass sie, wie wir inzwischen immerhin verstanden haben, aus El Salvador kommen und erst seit vier Jahren hier mit ihrem Sohn leben. Wir trösten uns damit, dass sie vielleicht ja „bayerisches“ Spanisch sprechen. Trotzdem ist es total nett mit ihnen. Auch Rosa gibt uns per Whatsapp aus de Ferne ständig Tipps, was und wie wir es in Santiago am besten machen sollen.
Nachdem wir im Zentrum von Santigo abgesetzt wurden, gingen wir – da wir ohnehin dort in der Nähe waren – als erstes in das Castanera-Center. Das Castanera-Hochaus ist mit über 300 m und 62 Stockwerken das höchste Gebäude Südamerikas und beinhaltet außerdem eine riesige Mall, die mit den üblichen Starbucks, Svarowsky, McDonalds, H&Ms, Bodyshops usw. überall auf der Welt sein könnte. Laut unserem Reiseführer lieben die Chilenen ihre Einkaufsmalls nach westlichem Vorbild und sind sehr stolz auf sie.
Wir sind dann mit dem Fahrstuhl in den 62igsten Stock gefahren und haben den Ausblick genossen. Santiago ist wirklich eine riesige Stadt mit über sechs Millionen Einwohnern, hat aber auch unglaubliche viele grüne Oasen.
Als nächste versuchten wir uns ein Rad auszuleihen. Dies erwies sich wieder einmal als äußert schwierig. Über eine App musste man erst ein Konto einrichten, um dann über einen QR-Code die Fahrräder, die an verschiedenen Stellen überall in der Stadt stehen, aus dem Ständer zu bekommen. Nach einer Stunde vergeblichem Bemühen bei 32 Grad im Schatten gaben wir erstmal auf und nahmen die U-Bahn, bei der uns der Ticketkauf relativ spontan gelang. Wir fuhren zum Parque Quinta, in dem mehrere Museen liegen, die wir aber nur von außen betrachten und den Schatten im Park ein bisschen genossen. Durch die Viertel Yungai und Brasil (Studenten- und Künstlerviertel) liefen wir dann zurück zur Plaza de Armas in der Stadtmitte.
Von der Plaza de Armas mit vielen tollen Gebäuden – u.a. die Kathedrale von Santiago – , einer großen Weihnachtskrippe, Palmen und einem Brunnen liefen wir durch eine Fußgängerzone zur Moneda, der alten Münzprägeanstalt (erbaut 1788), dann Präsidentensitz und Regierungsgebäude, das zu trauriger Berühmtheit gelangte, als die Putschgeneräle unter Pinochet es am 11.09.1973 bombadierten. Inzwischen ist sie wieder Präsidentensitz und den Chilenen ein Symbol der wiedergefundenen Demokratie.
Auf dem Weg gerieten wir in ein längeres Gespräch mit einem 75jährigen Chilenen, der 1973 während des Putsches als Student ins Gefängnis kam, dann nach Peru fliehen konnte und schließlich nach Vancouver ausgewandert ist. Das war sehr interessant, einen „echten Zeitzeugen“ zu sprechen, den wir dann auch noch nach einigen Einzelheiten zu den damaligen Ereignissen, seiner Flucht und Auswanderung befragen konnten.
Eigentlich wollten wir dann noch mit der Seilbahn auf den Hausberg San Christobal fahren, waren, nachdem wir auch die „falsche“ Haltestelle für die Seilbahn erwischt hatten, insgesamt zu spät dran, um hoch und runter zu fahren (auf zu Fuß hatten wir heute keine Lust, außerdem wußten wir nicht, wie lange die Busse fahren) und gaben unser Vorhaben deshalb auf.
Nun wurde es nochmal kompliziert, den richtigen Bus für unsere Heimfahrt nach Curacavi zu erwischen. Nachdem wir im dritten Anlauf endlich das richtige Busterminal gefunden hatten, mussten wir erstmal wieder 30 Minuten anstehen, um überhaupt ein Ticket kaufen zu können. Als wir endlich dran waren, gab es angeblich keinen Bus nach Curacavi. Wir haben dann einfach ein Ticket nach Valparaiso gekauft und den Fahrer gebeten uns in Curacavi aussteigen zu lassen. Puh, Stadtbesuche sind immer ganz schön anstrengend….
Um 20.30 kamen wir endlich an und wurden wieder von Eugenio und Reina abgeholt.
Abschießend genossen wir noch die Kühle und den Sonnenuntergang auf unserem Berg mit einem Aperol Spritz.


























