Heute haben wir nach dem anstrengenden Tag gestern erstmal ausgeschlafen und uns beim Frühstück lange mit Victoria unterhalten. Sie und Luis haben 25 Jahre eine Hühnerfarm in Ica gehabt und täglich 25.000 (!) Hühner verkauft. Sie haben fast rund um die Uhr gearbeitet (4 Stunden Schlaf mussten reichen), auch, um ihren drei Kindern Privatschulen und ein Studium in der USA zu ermöglichen. Heute leben die Kinder in der Schweiz und in den USA und haben gute Jobs. Sie selbst haben chinesische, italienische und indigene Vorfahren. Victorias Eltern waren Verkäufer in einem Minimarkt und Luis Großeltern haben als Indigene in der Wüste gelebt, deshalb kennt er sich auch so gut aus. Vor 10 Jahren haben sie dann die Hühnerfarm verkauft, weil sie nicht mehr konnten und vermieten seitdem die Zimmer und bieten Touren an. Vor Corona lief es sehr gut, nach Corona sehr viel schlechter, aber sie kommen klar.
Gegen Mittag sind wir aufgebrochen und sind in das Regionalmuseum von Ica gegangen, wo eine interessante Ausstellung über die Paracas- und Nascakultur war, von denen wir ja schon vieles kannten. Trotzdem toll, wie gut erhalten die Gefäße, Stoffe und die Mumien sind, obwohl sie zwischen 2000-3000 Jahre alt sind, dies dank der Trockenheit.
Danach sind wir noch ein bisschen durch Ica gelaufen. Es ist unglaublich laut und voll überall und das Überqueren einer Straße erfordert schon Mut und Entschlossenheit. Als Stadt ist Ica nicht besonders sehenswert.
Anschließend sind wir noch zu dem ältesten Weingut in Südamerika (Tacama) gefahren. Obwohl Ica mitten in der Wüste liegt, bietet es überraschenderweise ideale Bedingungen für den Weinanbau. Die Spanier brachten Mitte des 16.Jh die ersten Reben hierher. Die Bodega Tacama wurde 1540 gegründet. In der Küstenwüste gibt es keinen Regen (max. 5 Minuten im Jahr), viel Sonne und kühle Nächte durch den Humboldtstrom, das mögen die Reben. Bewässert wird über den Rio Ica, der aus den Anden kommt und über Grundwasser. Neben Rot- und Weißwein wird vor allem das Nationalgetränk Pisco (Weinbrand aus Traubenmost, sehr lecker, besonders als Pisco Sour) hergestellt.
Wir haben erstmal gegessen und dann an einer Führung mit Weinverkostung teilgenommen.
Den Abend haben wir dann im Garten unserer schönen Unterkunft mit Kochen, Lesen, Erzählen mit Victoria verbracht.
Heute ist Luis übrigens auf der gleichen Wüstentour wie mit uns (zum Glück erst auf dem Rückweg) am Rande der Wüste mit dem Auto liegen geblieben, war jedoch trotz Abschleppdienst bis 22.30 Uhr noch nicht zurück…
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