Um 8.00 Uhr hat uns Victoria ein leckeres Frühstück gemacht und um 9.00 Uhr ging es mit dem Jeep von Luis los. Erstmal kämpften wir uns eine Stunde durch den Verkehr in Ica, aber dann bog Luis auf eine Sandpiste in die Wüste ab. Ein Weg war für uns recht bald nicht mehr erkennbar, manchmal dachten wir, dass man aus einem Tal nicht wieder rauskommen würde, aber Luis fuhr souverän die steilsten Pisten hoch und runter und durchquerte trockene Flussbetten. Es war völlig unklar, wie er sich dort orientieren konnte, er erklärte das nur damit, dass er als Jugendlicher dort viel mit dem Pferd unterwegs gewesen sei…, nunja, echt beeindruckend.
Nach einer halben Stunde waren wir an unserem ersten Stopp und machten eine zweistündige Wanderung durch die Wüste. Der Weg war teilweise sehr steil und auf Graden. Hinzu kam noch, dass Annes Sandalen zwar Trekkingsohlen haben, aber der heiße Sand natürlich trotzdem in die Schuhe kommt, ganz dummer Tourifehler! Aber mit Tapferkeit und dicken Socken hat sie es irgendwie geschafft und gedacht, dass Steffen mit seiner Vorbereitung vielleicht manchmal doch recht hat…
Die Landschaft war absolut faszinierend, immer wieder interessant, wieviele verschiedene Braun-, Grau-, Schwarz- und Rottöne die Wüste hat, außerdem der dauernde Wechsel von feinstem Sand über grobes Geröll bis zu hohen Felsen/kleinen Bergen. Außerdem gab es es sogar einen kleinen Wald an einem – momentan nicht sichtbaren – Fluß (die Bäume kommen trotzdem durch). Erstaunt waren wir, wie gut wir die Erklärungen von Luis verstehen und selber auch Fragen stellen konnten. So schlecht ist Duolingo wohl doch nicht…
In der Wüste hielt Luis dann an und befestigte etwas auf dem Autodach, was sich als Starlink-Antenne herausstellte, wodurch er die ganze Zeit über eine Internetverbindung hatte, was dann angesichts der Herausforderungen für das Auto – es ging die ganze Zeit buchstäblich über Stock und Stein und durch tiefen Sand – sowie die Entfernung zur „Zivilisation“ doch beruhigend war.
Danach fuhren wir weiter zum zweiten Stopp. Luis hatte angekündigt, uns ein paar Fossilien zeigen zu wollen. Wir dachten an Muscheln und Schnecken und sowas. Aber plötzlich standen wir nach einer kurzen Wanderung vor einem ca. 390 Millionen Jahre altem vollständig erhaltenen Skelett von einer Vorform des Wals (Ambulocetua Natans). Das lag da einfach so rum! Auf unsere Frage, warum es nicht im Museum sei, sagte Luis nur, dass hier überall solche Skelette rumlägen. Dies sei auch nur ein Baby, die „Eltern“ seien höher auf dem Berg und seien über 20 m groß. Wir gingen dann noch auf einem ziemlich hohen Berg (wir mussten ganz schön klettern), von da hatten wir einen Blick, der sich wie aus dem Flugzeug anfühlte. Überall lagen versteinerten Korallen, Muscheln und Seeigel rum, ab und zu noch mal ein versteinerter Knochen. Irre!
Inzwischen hatten wir ziemlichen Hunger. Wir fuhren noch ein Stück auf einen anderen Berg und Luis packte das Picknick aus. Verschiedene peruanische Kartoffeln mit einer speziellen Soße und Mangos. Dazu gab es ein bisschen Pisco. Es war extrem windig – oben auf einer Düne hat es einen fast umgeweht – , was zwar wegen der Hitze ganz gut war, es aber beim Essen doch etwas knirschen ließ.
Nun ging es weiter zum eigentlich Ziel, dem Canyon de los Perdidos (Canyon der Verlorenen). Auch der war sehr spektakulär, umso erstaunlicher, dass er erst vor wenigen Jahren „entdeckt“ wurde (die Wüste ist halt groß). Wir schauten erst von oben in den Canyon und liefen dann von der anderen Seite soweit es ging in den Canyon hinein. Luis blieb „aus Sicherheitsgründen“ beim Auto, was uns etwas beunruhigte, weil die ganze Zeit die Geier über uns kreisten. Wir haben den ganzen Tag keinen einzigen anderen Menschen gesehen, obwohl wir wirklich viele Kilometer durch die Wüste gefahren – und gelaufen – sind und meistens ziemlich weit sehen konnten.
Nach einer weiteren kurzen Fahrt hielten wir für ein zweites Picknick an. Es gab Brötchen, die wir uns mit Hühnchen, Käse, Avocado, Gurken, Tomate, Oliven und verschiedenen Soßen belegen konnten, dazu einen Blick über die Wüste bis zu den Anden.
Jetzt ging schon langsam die Sonne unter und wir fuhren auf anderer Strecke zurück zur Straße. Das Fahren auf einer glatten Straße, ohne die ganze Zeit extrem durchgeschaukelt zu werden, war doch ganz angenehm. Leider war auf dem Rückweg durch Ica wieder ein langer Stau, so dass wir erst 19.30 Uhr wieder zuhause ankamen.
Ein wirklich sehr beeindruckender Tag….


















