Pünktlich kamen wir los, da wir eine lange Fahrt vor uns hatten, zwar nur 350 km, aber mit sieben Stunden vom Navi angegeben. Zuerst fuhren wir wieder eine Stunde nach Chivay, das Eingangstor zum Colca Canyon. Auf dem Weg sahen wir die vielen Busse und Menschen, die sich an den Aussichtspunkten drängten, um Kondore zu sehen. Da hatten wir es doch besser!
In Chivay tankten wir und kauften noch vor allem Wasser ein. Für je 1000 Höhenmeter soll man einen Liter mehr trinken, das heißt in unserem Fall 5-6 Liter täglich. Das ist eine echte Aufgabe, sowohl das Trinken, als auch die blasentechnischen Folgen…
Nachdem wir gegen die Höhenkrankheit tagelang ekligen Kokatee getrunken und alle möglichen Naturprodukte ausprobiert haben, haben wir uns gestern doch für ein hier empfohlenes Medikament entschieden, seitdem geht es uns besser. Eine bedauerliche Nebenwirkung ist jedoch, dass Produkte mit Kohlensäure, aber insbesondere Bier, deutlich anders schmecken. Naja, man soll ja auch dieser Höhe eh besser keinen Alkohol trinken…
Anschließend ging es wieder zu dem 5000m hohen Pass hoch. Danach fuhren wir den ganzen Tag auf 4000-4500m Höhe durch das Altiplano, wieder mit vielen Alpakas und Vikunjas. Das Fahren war viel entspannter als auf der Panamericana, weniger Verkehr und insgesamt gute Straßenverhältnisse. Ein Pass war wegen Bauarbeiten ab und zu gesperrt, aber wir kamen besser durch als erwartet.
Um 16.30 Uhr kamen wir zu den Chullpas von Sillustani, wofür einen einstündigen Abstecher über eine einspurige Strasse durch eine ilandschaftlich nteressante und von kleinen „Bauernhöfen“ geprägte Gegend machen mussten, der sich aber gelohnt hat:
Exkurs: Chullpas von Sillustani Dabei handelt es sich um eine Grabstätte, die sich auf einer malerischen Halbinsel einer Lagune befindet. Sie wurde in der Zeit von 1100 n. Chr. – 1533 n. Chr. von verschiedenen Kulturen genutzt (Pukawa, Tiwanaku, Colla, und zum Schluss Inka). Bei den Chullpas handelt es sich um Grabtürme, die eine Höhe von bis zu 12 Metern erreichen. Sie wurden in Form eines umgekehrten Kegels teils aus perfekt behauenen, riesigen Steinblöcken ohne Mörtel, teils aus Findlingen zusammengesetzt. Die Verstorbenen wurden in fötaler Position mumifiziert und mit wertvollen Grabbeigaben und Speisen in den Türmen beigesetzt. Die winzigen Eingänge zeigen immer nach Osten, damit der Geist des Verstorbenen direkt mit dem Sonnengott kommunizieren kann.
Wir liefen – nachdem wir erst eine halbe Stunde zu der Anlage hochgelaufen waren – eine Stunde über die große Anlage, die eine tolle Atmosphäre hatte. Wir waren ganz stolz, dass wir das auf 4000m ohne großes Schnaufen geschafft hatten. Zum Schluss bekam Steffen noch den ersten richtig leckeren Kaffee in Peru.
Nach einer weiteren Stunde Fahrt – leider mal wieder am Schluss schon etwas im Dunkeln – trafen wir am Hafen von Puno ein, wo wir mit unserem Vermieter Ruben – einem Mitglied der Uro- Gemeinschaft – verabredet waren. Jetzt wurde es richtig spannend. Nachdem wir unser Auto sicher geparkt hatten, luden wir unser Gepäck in ein kleines Boot mit Außenbordmotor und setzten uns auf zwei Stühle vorne im Boot. Ruben wickelte uns noch in Decken und dann ging es los. Im Dunkeln fuhren wir über den Titicacasee – in´s für uns doch recht, zunächst noch durch eine Art Schilfkanal, dann aufs offene Wasser, über uns unzählige Sterne. Krass!!
Nach ca. 15 Minuten kamen wir an eine Schilfinsel, auf der mehrere kleine Häuschen auf Holzständern standen. Wir luden unser Gepäck aus und gingen über das schwankende Schilf, in das man ein bisschen einsank, zu unserer Hütte. Neben einem großen Bett, einem Tisch, zwei Sesseln gibt es sogar ein Badezimmer mit Dusche und Kompostklo. Draußen gibt es noch ein überdachtes Bett und zwei Liegestühle auf der Terrasse. Beim Gehen schwankt das Ganze ein bisschen. Vom Bett aus sieht man auf den See und sieht in der Ferne die Lichter von Puno. Unglaublich!
Wir aßen noch den Rest von unserem Picknick und fielen dann erschöpft in unser leise schaukelndes Bett.
Exkurs: Titicacasee Der Titicacasee ist der größte Süßwassersee Südamerikas und gilt mit seiner spektakulären Lage auf fast 4.000 m Metern als das höchste kommerziell schiffbare Gewässer der Erde. Er befindet sich auf der Altiplano-Hochebene inmitten der Anden und erstreckt sich über eine Fläche von rund 8.372 Quadratkilometern, womit er etwa 15,5-mal so groß ist wie der Bodensee. Das Gewässer wird politisch fast mittig geteilt: Der westliche Teil gehört zu Peru und der östliche Teil zu Bolivien. Gespeist von mehr als 25 Flüssen erreicht der See eine maximale Tiefe von 281 Metern. Neben seiner geografischen Bedeutung besitzt der rund drei Millionen Jahre alte See einen enormen kulturhistorischen und spirituellen Stellenwert. In der Mythologie der Region gilt er als Ursprungsort der Inka-Kultur; der Legende nach stiegen der erste Inka und seine Schwester aus seinen Tiefen auf die Sonneninsel empor, um das Inkareich zu gründen. Heute ist der See die Lebensader für zahlreiche indigene Gemeinschaften der Quechua und Aymara. Berühmt ist er vor allem für die schwimmenden Inseln der Uros – auf so einer wohnen wir – (s. übermorgen), sowie für feste Inseln wie das peruanische Taquile – dazu Morgen – oder die bolivianische Isla del Sol. Wirtschaftlich wichtig ist er für Fischerei, Landwirtschaft und sanften Tourismus. Allerdings ist das empfindliche Ökosystem zunehmend gefährdet. Der Klimawandel führt durch geringere Niederschläge und höhere Verdunstung zu sinkenden Wasserständen, ungeklärte Abwässer aus den Städten sowie Schadstoffeinträge aus dem Bergbau belasten die Wasserqualität.













