24.11.22: Estancia Haberton

Am Morgen waren wir sehr froh, in unserer Hütte mit Heizung zu sitzen. Draußen stürmte und regnete es bei 2 Grad. Nach dem Frühstück sprachen wir noch mit Andres., der uns noch einige Tips gab und versuchen wollte, unsere Gasflasche neu befüllen zu lassen (wir hatten nur gefragt, wo wir das am besten machen könnten). Außerdem bot an, einen Freund in Ushuaia nach einer Cabana für uns und einen anderen Freund zu fragen, ob er mal unser Kupplungsseil angucken kann (das macht nämlich seltsame Geräusche). Es ist immer wieder toll, wie nett und hilfsbereit die Leute hier sind! Außerdem zeigte er uns noch seinen speziellen, sehr dick gefüttert Overall, den er wetterbedingt hier mindestens dreiviertel des Jahres tragen müsse. Der ist sehr schwer und ersetzt den Sport.

Wir stoppten dann noch bei der Panderia la Union, die sich als eine riesige Bäckerei mit Cafe entpuppte, aber auch das Internet dort hat nicht zum Hochladen des Blogs gereicht.

Dann ging die Fahrt zur Estancia Haberton. Zuerst über den Pass Garibaldi, die letzten 50 km dann Schotterpiste durch Wald und an Seen entlang, im Hintergrund schneebedeckte Berge. Schön!!

Exkurs Estancia Haberton: Die Estancia wurde im Jahr 1886 vom britischen Missionar Thomas Bridges und seiner Familie als erste Estancia Feuerlands gegründet. Hier ist das älteste Haus der gesamten Insel und wird bis heute von der Familie bewohnt. Die Memoiren seines Sohns Lucas („Uttermost Part of the world“) haben die Estancia berühmt gemacht. Lucas wuchs gemeinsam mit den Yamana-Kindern auf . Die Familie lebte zunächst wie die Ureinwohner in zeltähnlichen Unterständen aus Zweigen, bis ihr komplettes Haus in Einzelteilen aus England eintraf. Die Familie versuchte die bedrohten Yamana Südfeuerlands zu schützen und Lucas wuchs dort in engem Kontakt zu den heute ausgestorbenen Yamana und Selk´nam auf. Er lernte ihre Sprachen und war wie sein Vater einer der wenigen, der der Lebensweise der Einheimischen mit Respekt und Verständnis begegneten. Das Buch schildert die letzten Jahre dieser Völker und Verwandlung ihrer Heimat von einer unberührten Wildnis in eine Kolonie der Glücksritter, Missionare und Schafszüchter. Thomas schrieb ein Yamana-Englisches Wörterbuch. Da die Yamana Kanu-Normaden waren, sind dies die einzigen Zeugnisse ihre Kultur.

In der Estancia Haberton angekommen gingen wir erstmal ins Museum, das gleichzeitig auch ein Forschungslabor für Meeressäuger ist. Die Frau des jetzigen Besitzers war Meeresbiologin und hat die Skelette von Meeresbewohnern gesammelt. Es ist die größte Sammlung weltweit. Da wir mal wieder die einzigen Besucher waren, bekamen wir eine sehr interessante Führung auf Englisch. Es gibt hier immer freiwillige Studenten der Meeresbiologie, die den Sommer auf der Estancia verbringen, die Plätze sind sehr begehrt. Besonders spannend war es die Barten der Wale zu sehen und anzufassen, sie fühlen sich an wie überlange Fingernägel. Interessant war auch die Information, dass die Südkaper-Walmutter (die 16m langen Wale, die wir in Valdes gesehen haben) ihre Jungen nicht direkt säugt, sondern ihre Milch ins Meer abgibt. Diese ist so fetthaltig, dass sie zu einem großen Klumpen emulgiert, den das Walbaby dann futtert.

Danach bekamen wir wieder eine persönliche Führung durch die Estancia, auch auf Englisch. Wir gingen durch ein Waldstück, in den es noch zwei Hütten der Yamana gab und die verschiedenen Bäume erklärt wurden. Außerdem lag darin der kleine Friedhof der Besitzer und ihrer Angestellten. Weiter sahen wir den Schuppen der Schafscherer, das Bootshaus, das Haupthaus samt der (ebenfalls englischen) Pflanzen in dem sehr schönen Garten. Von innen konnte man das Haus nicht besichtigen, da der knapp 90 Jahre alte Besitzer (in 4. Generation) noch darin lebt.

Besonders interessant fanden wir die Information, dass bei den Yamana nur die Frauen Schwimmen, Kanu fahren und somit Jagen konnten. Die Männer waren dagegen für die Dinge an Land zuständig. Insgesamt lag neben der unglaublichen landschaftlichen Schönheit eine sehr besondere Stimmung über der Estancia.

Nach der Führung hatten wir noch eine gepflegte Tea-Time im Restaurant, sehr englisch mit behäkelter Teekanne und unglaublich leckerem Kuchen. Leider reichte das Internet auch hier nicht für den Blog.

Auf der Rückfahrt fuhren wir noch zum Puerto Almaza, immer direkt am Meer lang, sehr schön!

2 Kommentare

  1. Karin u.Manfred

    Es ist sagenhaft,was ihr erlebt.,sehr aufschlussreich die Geschichte der
    Entdecker und Einwohner.Dazu noch das Wetter,unglaublich. Sehr schöne
    Aufnahmen.Danke,weiterhin gute Reise.
    Liebe Grüße ,Karin u.Manfred

  2. Warum sollte es euch mit dem Wetter auch immer anders gehen als uns 🤷‍♀️? Da konnte man zwischendurch ja ganz schön neidisch werden 😉… Übrigens hat mich deine Wolljacke gestern in der Schule gerettet, liebe Anne 😍. Bin gespannt auf die nächsten Berichte!

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