Nach dem Frühstück setzten wir uns erstmal auf die Terrasse des Restaurants um auf die Kondore zu warten und darauf, dass unser schönes neues Zimmer fertig wurde. Der Colca-Canyon bietet die weltweit beste Möglichkeit, einen Andenkondor zu sehen und tatsächlich konnten wir einige Kondore beobachten, wenn auch relativ weit entfernt.
Exkurs: Der Andenkondor Der Andenkondor zählt mit einer Flügelspannweite von über drei Metern und einem Gewicht von bis zu 15 Kilogramm zu den größten und schwersten flugfähigen Vögeln unseres Planeten. Als charakteristischer Bewohner der gesamten südamerikanischen Andenregion hat sich dieser majestätische Greifvogel perfekt an das Leben in extremen Höhen angepasst. Sein tiefschwarzes Gefieder, der markante weiße Halskragen und der nackte, rötliche Kopf machen ihn unverwechselbar, wobei die Männchen zusätzlich durch einen fleischigen Kamm auf der Stirn auffallen. Dank ihrer enormen Flügel nutzen die Tiere thermische Aufwinde in den Bergketten meisterhaft aus. Sie können stundenlang fast völlig ohne Flügelschlag durch die Luft segeln und Höhen bis zu 8000m erreichen, um nach Nahrung zu suchen. Als reine Aasfresser erfüllen sie eine wichtige Funktion im Ökosystem, indem sie die Kadaver von Großsäugern wie Guanakos, Rindern oder Walen an den Küsten beseitigen und so die Ausbreitung von Krankheiten verhindern. Dieser Gigant der Lüfte blickt zudem auf eine jahrtausendealte Kulturgeschichte zurück und galt bereits in der Mythologie der Inka als unsterblicher, heiliger Bote der Götter, der die Seelen der Verstorbenen in die Oberwelt trug. Seine spirituelle Bedeutung spiegelt sich bis heute in den Staatswappen mehrerer südamerikanischer Andenstaaten wider. Diese Verehrung passt zu seiner außergewöhnlichen Lebensspanne, denn der Andenkondor gehört zu den langlebigsten Vögeln weltweit; in freier Wildbahn erreicht er ein Alter von bis zu 50 Jahren, während in Gefangenschaft sogar Rekorde von80 Jahren dokumentiert wurden. Diese hohe Lebenserwartung gleicht seine extrem langsame Fortpflanzung aus, da die Tiere erst mit 6 bis 8 Jahren geschlechtsreif werden und eine streng monogame Dauerehe führen. Die Jungenaufzucht ist ein zeitintensiver Prozess, der dazu führt, dass ein Paar nur alle zwei Jahre ein einziges Ei ausbrütet. Das Ei wird ohne Nestbau direkt auf unzugänglichen Felsklippen abgelegt und von beiden Eltern rund 60 Tage lang bebrütet. Das Küken schlüpft als Nesthocker und unternimmt erst nach 6 bis 10 Monaten erste Flugversuche. Da der Jungvogel im braunen Jugendkleid noch bis zu zwei Jahre bei den Eltern bleibt, um das Überleben und die Nahrungssuche zu erlernen, ist die Vermehrungsrate extrem niedrig.
Wir bezogen dann unser neues Zimmer, mit unglaublichen Blick über den Canyon. Hier kann man quasi vom Bett aus auf Kondore warten. Wir haben es dann erstmal sehr langsam angehen lassen, da wir noch ziemlich mit der Höhe (wir sind doch auf fast 3700m Höhe) zu kämpfen hatten. Nach ein paar Schritten bergauf pumpen wir schon wie die Maikäfer und wir haben latent Kopfschmerzen.
Erst am frühen Nachmittag machten wir uns auf den Weg nach Cabanaconde. Auf dem Weg nahmen wir noch zwei peruanische Bauern mit. Cabanaconde ist ein kleines Dorf, wo Esel, Schafe und Pferde Vorfahrt auf den sandigen Straßen haben. Wir sind dann noch in das empfohlene Museum gegangen. Dort waren wir die einzigen Gäste. Leider war in einigen Räumen kein Licht (es war aber auch zunächst niemand da, den wir hätten fragen oder bei dem wir Eintrittskarten hätten kaufen können) und wir mussten einige Exponate mit der Taschenlampe beleuchten. Neben den üblichen Trachten, Webereien und Tongefäßen gab es die berühmte Eismumie Juanita, die vor ein paar Jahren voll erhalten auf über 6000m gefunden wurde. Untersuchungen haben ergeben, dass sie etwa 15 Jahre alt war und den Göttern der Inkas geopfert wurde. Super spannend ist, dass Forscher die Nahrung ihrer letzten Lebensjahre an Hand ihrer Haare genau rekonstruieren und kürzlich sogar eine sehr realistische Nachbildung ihres Gesichts herstellen konnten. Die Frau, die dann nach unserem Besuch in Uniform am Eingang saß, nahm uns überhaupt nicht zur Kenntnis, da sie schluchzend eine Serie auf ihrem Handy schaute.
Anschließend fuhren wir zum Aussichtspunkt San Miguel, wo wir eine kleine Wanderung direkt an der Kante der Schlucht entlang machten, sehr eindrucksvoll. Auch ließen sich mehrere Kondore blicken, einen konnten wir sogar in seinem Nest fotografieren. Leider schnaufen wir immer noch sehr und fühlen uns beim Laufen wie Mitte 90, so dass wir nur recht langsam vorwärts kamen.






















