18.1.23: San Pedro de Acatama

Heute ließen wir es erstmal ruhig angehen. Es kristallisiert sich doch heraus, dass die Situation in Peru sich nicht beruhigt. Davon kriegt man wahrscheinlich in den deutschen Medien nicht soviel mit.

Exkurs aktuelle Lage Peru: Seit Anfang Dezember kommt es immer wieder in verschiednen Regionen des Landes zu starken Unruhen und Straßenblockaden. Das auswärtige Amt rät von nicht notwendigen Reisen nach Peru dringend ab. Grund ist ist die Amtsenthebung des Präsidenten Pedro Castillo durch das Parlament. Er sitzt mit dem Vorwurf der Rebellion und eines Putschversuches auf Geheiß des obersten Gerichts in Untersuchungshaft. Das Parlament wollte den Präsidenten des Amtes entheben, daraufhin hat Castillo versucht, das Parlament aufzulösen und Neuwahlen anzusetzen. Dieses wurde als Putschversuch ausgelegt. Castillo hat noch versucht, Asyl in Mexico zu beantragen, wurde aber vorher verhaftet. Seine Stellvertreterin Dina Boluarte ist seitdem als seine Nachfolgerin vereidigt.

Das politische System Perus ist geprägt von Vetternwirtschaft und Instabilität. Besonders die indigene Bevölkerung leidet. Castillo ist ein ehemaliger Dorfschullehrer und Gewerkschafter und hat sein Amt im Juli 2021 mit dem Versprechen angetreten, eine Agrarreform umzusetzen und eine Sozialpolitik für die ärmere Bevölkerung zu machen. Das Parlament ist wohl mehrheitlich mit Leuten besetzt, die von der bisherigen Situation profitieren.

Daraufhin eskalierte die Situation, zumal es nicht der erste Präsident ist, den das Parlament auf diese Weise abgesetzt hat. Die Menschen fordern den Rücktritt Boluartes, die Freilassung Castillos und Neuwahlen. Seit dem 14. Januar gilt – wieder, wie bereits bis 3.1. – ein 30tägiger Ausnahmezustand. Es wird gestreikt, viele Strecken sind durch Straßenblockaden nicht mehr passierbar. Die Gewalt der Demonstranten richtet sich vor allen gegen die Einsatzkräfte vor Ort. Justizgebäude, Busse und Mautstationen – aber auch ein Flughafengebäude – wurden angezündet. Bolivien hat aus Sicherheitsgründen seine Grenzen zu Peru geschlossen. Der Flug- und Bahnverkehr wurde weitestgehend eingestellt. Bei den Demonstrationen wurden bereits ca. 50 Menschen getötet.

Exkurs Reiseplanung: Auch wenn es äußerst schwer fällt, auf die von der „Reiseleiterin“ Anne so gut geplanten Reiseabschnitte in Peru mit Matchu Pitchu, Colca Canyon mit Kondoren, Nascalinien, Cusco und einer Tour in den Manu-Regenwald zu verzichten (wo wir so nah dran sind!), macht es wahrscheinlich keinen Sinn, weiter abzuwarten (wir sind ja schon vorab nach Atacama gefahren, um „Zeit zu gewinnen“, da war erst auf dem Rückweg von Peru geplant) und auf ein Wunder zu hoffen, sondern es ist Zeit, umzudisponieren…Auch wenn sich bisher die Gewalt nicht gegen Touristen richtet, müssen wir da nicht unbedingt zwischengeraten, und auch nicht Tage in irgendwelchen Blockaden verbringen.

Es ist also Zeit für eine teilweise Neuplanung. Zur Debatte steht, weiter nach Bolivien hinein – über den Salar de Uyuni hinaus, bis wohin wir ohnehin wollten, das allerdings könnte an der Regenzeit scheitern. Auch Paraguay und Brasilien sind noch eine Option. Zunächst werden wir doch erstmal wieder ins geliebte Argentinien fahren, diesmal in den „hohen“ Norden und von da aus nach Bolivien…. Mal sehen, die Reiseleitung arbeitet!

Gegen Nachmittag fuhren wir nach San Pedro de Acatama. Der Ort hat wirklich eine sehr besondere Atmosphäre. Hauptsächlich gibt es Tour-Anbieter, Restaurants und Kunstgewerbegeschäfte, aber alles in netter Atmosphäre, komplett unaufdringlich. Tatsächlich haben wir zum ersten Mal auch ein bisschen eingekauft und Mitbringsel erworben. Zu unserem Ärger gibt es nicht mal bei der Touri-Info Karten für die nähere Umgebung. Man setzt wohl darauf, dass die Leute nicht selber fahren, sondern die echt richtig teuren Touren buchen…(Typisch Chile sagen wir inzwischen. Man fühlt sich leider oft ein bisschen abgezockt und die Chilenen sind – jedenfalls im Durchschnitt unserer bisherigen Erlebnisse – nicht nur an der Grenze – deutlich weniger freundlich als unsere lieben Argentinier und die Uruguayos).

Wir versuchen trotzdem, sämtliche Touren hier allein hinzubekommen.

Nachtrag Reiseplanung: Gerade erfahren wir, dass auch die Unruhen in Bolivien wieder hochkochen, die Planungsherausforderungen steigen….

Ein Kommentar

  1. Karin u.Manfred

    Hallo ihr Lieben, wir sehen z.Zt. einen
    Bericht über die 7000km langen
    Anden mit dem Gebiet Atacama.Es ist
    wahnsinnig,was dieses Gebiet an
    Unterschiedlichkeiten beinhaltet.Unfassbar!.Weiterhin gute Reise!

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