Heute sind wir nach dem Frühstück nach Ushuaia gefahren. Wir haben uns entschlossen, dies von Tolhuin aus zu machen (gute Stunde Fahrt), weil es uns hier so gut gefällt. Morgens war so schlechtes Wetter, dass der Regen waagerecht durch die Luft gepeitscht ist, wir waren also mal wieder sehr froh über unsere Hütte. Auf dem Weg zum Garibaldi-Pass sind wir in einen Hagel gekommen, sodass man kaum noch weiter fahren konnten. Zum Glück hält sich hier beim dem Sturm jedes Wetter nur sehr kurz und zwischendurch schien wieder die Sonne. An den Straßen gibt es Schilder, auf denen die Windstärke angezeigt wird, da man das Fahrverhalten unbedingt danach ausrichten muss. Wir waren dann doch beruhigt, dass diese Schilder gerade alle auf der höchste Stufe stehen, wir sind dann wohl doch nicht so dolle Lappen!
Ushuaia ist die „südlichste Stadt der Welt“ und liegt sehr malerisch zwischen dem Beagle-Kanal und dem schneebedeckten Bergmassiv des Glaciers Martial. Von 1884-1947 war das abgelegenen Ushuaia Strafkolonie zur Unterbringung politischer und anderer Gefangener des Landes, eingerichtet allerdings mit dem Hintergrund, den Landstrich für Argentinien zu festigen (Im Streit mit Chile) und das Land zu besiedeln. Das Gefängnis Presidio, das von 1906 bis 1920 von den Gefangenen selbst gebaut wurde, umfasst 380 Einzelzellen, die aber in Spitzenzeiten bis zu 800 Gefangene beherbergten. Nur wenige Häftlinge haben das Gefängnis lebend verlassen, die Arbeit und die klimatischen Bedingungen waren sehr hart. Jetzt sind in dem ehemaligen Gefängnis mehrere Museen untergebracht und es ist ein wichtiger Marinestützpunkt.
Ushuaia war es dann doch erstmal wieder sehr kalt, regnerisch und windig. Nachdem wir uns in einem Reisebüro doch nochmal spontan zu einem Last-Minute-Angebot für eine Antarktisfahrt erkundigt hatten und nochmal ernsthaft ins Grübeln gekommen sind, ob wir das machen wollen (zu Hause hatten wir uns eigentlich schon dagegen entschieden), sind wir erst einmalmal quer durch die Stadt (die ist doch überraschend groß und sehr hügelig, insoweit hat sie etwas an Montevideo erinnert, ist aber deutlich mehr auf die von den Kreuzfahrtschiffen angelandeten Touristen ausgerichtet, so viele „chice“ Läden haben wir hier bisher überhaupt noch nicht gesehen) ins oben genannte Museum Presidio gegangen. Von der Haupthalle gehen sternförmig fünf jeweils zweistöckige Gänge mit den Zellen ab, interessant, wie sich die Gefängnisse quer über die Welt doch ähneln (letztlich nicht viel anders als Alcatraz in USA oder auch „The Knast“ in Lichterfelde, wo Henris Chor neulich das „Inside-Outside-Projekt“ gemacht hat).
Ein Trakt wurde als Originalgefängnis zur Besichtigung beibehalten, einer als Nachbau mit entsprechenden Hinweistafeln. In den anderen Teilen ist ein Kunstmuseum, ein Antarktismuseum, ein Marinemuseum, und eins über die Geschichte der Ureinwohner untergebracht, eine interessante Ergänzung zu unserem Ausflug zur Estancia Haberton. Außerdem verfügte das Museum über hervorragendes Internet, so dass wir endlich mal wieder den Blog hochladen konnten, vorher war da echt nichts zu machen, weder das Netz noch irgendein WLAN hat gereicht.
Danach sind wir dann erst einmal in ein sehr altes und uriges Cafe/Restaurant eingekehrt, welches es hier fast seit den Anfangstagen der Stadt gibt. Der Kellner war sehr stolz, dass es in unserem Reiseführer erwähnt ist und hat gleich ein Foto gemacht.
Inzwischen war es schon reichlich spät, aber wir fuhren noch in den Nationalpark Tierra del Fuego, wo nach 3079 km die Ruta 3, der wir seit Buenos Aires gefolgt sind, endet. Ab jetzt geht es nur nach nach Norden! Hier ist dann auch die letzte Haltestelle der Eisenbahn ans Ende der Welt (!).Wir unternahmen noch eine sehr schöne Wanderung im Abendlicht am Bahia Lapatahia (zum Glück ist es inzwischen hier sehr lange hell) und fuhren dann zurück. Sehr spät (23.30 Uhr) kamen wir wieder in Tolhuin an.














Ich war ja schon in Sorge, weil ihr euch ein paar Tage gar nicht gemeldet habt, aber okay, es lag am Internet und ihr haltet weiter durch mit den täglichen Reiseberichten. Wir würden sie sehr vermissen. Eure Berichte klingen genau, wie ich euch kenne: Alles mitnehmen und aufsaugen, was es gibt. Deswegen habt ihr auch so viel zu erzählen. Andere brauchen Jahre, um so viel zu sehen und zu erleben! Wart ihr eigentlich schon an einem Ort für zwei Nächte?
Liebe Grüße aus dem Advent (Merkt ihr etwas davon?)
Susanne