Den Vormittag über haben wir unsere Fahrt nach Machu Picchu vorbereitet. Dort hinzukommen hat schon im Vorfeld viel Aufwand erfordert.
Machu Picchu ist nur zu Fuß über den Inca Trail (43 km mit rund 2500 Höhenmetern in vier Tagen wandern, höchster Pass auf 4200m) oder mit den Zug ab Cusco oder Ollantaytambo zu erreichen. Eine Straße gibt es nicht. Eintrittskarten für Machu Picchu und das entsprechende Zugticket muss man monatelang sehr kompliziert im Voraus buchen. Im Zug ist nur ein kleiner Rucksack erlaubt.
Da wir unser Ticket für Machu Picchu schon für 7.00 Uhr morgens haben (und man dafür schon ca. 5.40 Uhr dort beim Bus sein muss), fahren wir schon heute mit dem Zug nach Agua Calientes (am Fuß von Machu Picchu, um dort zuübernachten. Unser Vermieter hat uns ein Taxi bestellt, das sich als Mototaxi herausstellte, in das wir Steffen erstmal hineinfalten mussten.
Das Taxi war pünktlich auf die Minute und brachte uns zum Bahnhof. Dort lief alles sehr bürokratisch, aber super organisiert ab. Ständig mussten wir unsere Tickets und unserem Pass zeigen und wurden eingecheckt, dann ging es los. Der Zug ist sehr altmodisch, pfeift ständig wie im Western, hat im Dach Panoramafenster für den Blick auf die gigantischen Berge und tuckelt so mit ca. 30 km/h immer am Fluss Urubamba entlang. Die Strecke ist außerdem einspurig und der Gegenverkehr kann nur an einigen Stellen passieren. Man fühlt sich ein bisschen wir beim Mord im Orientexpress, der Schaffner trägt einen Smoking und serviert auf Wunsch Pisco Sour. Auf der Hinfahrt saß uns ein Pärchen gegenüber, der Mann aus Yorkshire, die Frau von den Philipinen. Sie leben zusammen auf den Cayman-Inseln, weil dem Mann als Arzt in England das Wetter zu schlecht und die Steuern zu hoch sind. Wir haben uns lange unterhalten, wieder mal interessant, wie man so leben kann. Sie waren nur für 8 Tage nach Peru gekommen.
Um 17.30 Uhr mit Einbruch der Dunkelheit kamen wir in Aguas Calientes an und gingen erstmal zu unserem Hotel. Die Frau an der Rezeption war super nett und erklärte uns, wo wir die Bustickets für morgens bekämen, wann wir morgen früh am besten los sollten und wo wir am besten essen könnten. Dann durften wir uns sogar noch ein Zimmer aussuchen. Wir wählten ein Zimmer im 8. Stock mit Blick auf den Fluss, der selbst dort oben noch super laut rauschte.
Danach besorgten wir erstmal unsere Busfahrkarten und gingen noch ein bisschen durch das Städtchen, leider bei total strömenden Regen. Aguas Calientes scheint nur aus Restaurants und Souvenirshops zu bestehen. Es gibt wohl keinen anderen Grund hierher zu fahren, als Machu Picchu zu besuchen. Da Aguas Calientes nicht auf Straßen zu erreichen ist, gibt es auch keine Autos außer die Busse, die von dort nach Machu Picchu fahren.
Wir gingen dann noch etwas essen, bevor wir möglichst zeitig ins Bett gingen um für morgen fit zu sein. Die Aufregung steigt weiter..
Exkurs: Machu Picchu Machu Picchu ist eine der faszinierendsten archäologischen Stätten der Welt und das wohl bedeutendste Erbe der Inka-Zivilisation. Es zählt zu den neuen sieben Weltwundern und ist Unesco Weltkulturerbe – und nach unserem Bekannten Augustin aus Buenos Aires einer von 3 Orten, die man in Südamerika gesehen haben muss. Die auf einem abgelegenen Bergrücken in 2.430 Metern Höhe thronende Ruinenstadt wurde um das Jahr 1450 unter der Herrschaft des legendären Inkas Pachacútec er-(bzw. ausge-)baut. Als Zentrum für Verwaltung, Politik und Religion konzipiert, spiegelt die Anlage die Macht und den logistischen Scharfsinn des Inka-Reiches auf seinem Höhepunkt wider. Dass Machu Picchu die spanische Eroberung unbeschadet überstand, liegt an seiner strategisch genialen, isolierten Lage und dem plötzlichen Verschwinden seiner Bewohner. Als die Konquistadoren im 16. Jahrhundert das Inka-Reich unterwarfen, zerstörten sie systematisch fast alle religiösen Stätten der Einheimischen. Machu Picchu wurde von den Spaniern jedoch nie gefunden, da die Stadt von unten aus dem Urubamba-Tal völlig unsichtbar ist und die geheimen Zugangswege von den Inka beim Verlassen der Stadt vermutlich absichtlich unpassierbar gemacht wurden. Nach einer Theorie wurde die Stadt aufgegeben, um sie vor der Zerstörung zu schützen. Die Architektur der Zitadelle ist eine ingenieurstechnische Meisterleistung, die Inka schafften es auch hier, tonnenschwere Granitblöcke fugenlos aneinanderzufügen. Neben den Palästen, Wohnquartieren und rituellen Plätzen ist die Stadt von einem ausgeklügelten System aus Hunderten von landwirtschaftlichen Terrassen umgeben. Diese Terrassen sicherten nicht nur die Nahrungsversorgung der geschätzten 500 bis 1.000 Einwohner, sondern stabilisierten gleichzeitig die steilen Berghänge gegen Erdrutsche und fungierten als Entwässerungssystem für die tropischen Regengüsse. Das Herzstück von Machu Picchu bildet die spirituelle und astronomische Symbolik, die tief in die Architektur der Stadt eingeflochten ist. Viele Gebäude sind exakt nach dem Lauf der Sonne und den umliegenden heiligen Berggipfel ausgerichtet. Ein zentrales Heiligtum ist der Intihuatana-Stein, eine kunstvoll aus dem Fels gehauene Sonnenuhr. Zur Winter- und Sommersonnenwende steht die Sonne in einem exakten Winkel über dem Stein, und zur Tagundnachtgleiche verschwindet sein Schatten am Mittag für einen kurzen Moment komplett. Für die Inka bedeutete dies, dass die Sonne symbolisch an den Stein „gefesselt“ wurde, um ihre Wiederkehr und damit den Beginn einer neuen Agrarsaison zu sichern. Nachdem die Stadt jahrhundertelang nur lokalen Bauern bekannt war, rückte sie im Jahr 1911 durch den US-amerikanischen Archäologen Hiram Bingham wieder in das globale Bewusstsein.










