Heute morgen haben wir nocheinmal schön auf unserer Terrasse mit den Pelikanen gefrühstückt und dann gepackt. Zum Glück waren wir fast fertig, als plötzlich auf unseren Handys ein Tsunami-Alarm kam und gleichzeitig draußen die Sirenen angingen. In der Alarm-App stand, dass man Strände sofort verlassen und sich auf höher gelegenes Gebiet begeben soll ohne etwas mitzunehmen.
Wir haben trotzdem noch schnell alles ins Auto geworfen und sind eilig losgefahren, zum Glück führte schon nach 3 km eine Straße hoch ins Landesinnere. Allerdings war um uns herum „business as usual“, nunja.
Wir haben dann unseren Vermieter kontaktiert, ob wir den geplanten Rückweg auf der Panamerika, die ja hauptsächlich am Meer entlang führt, nehmen könnten. Unser Vermieter hat uns erstmal beruhigt, dass zum einen die Bucht durch die Halbinsel ohnehin geschützt sei, zum anderen dies wohl nur ein Probealarm gewesen sei, das mache die Regierung häufiger, er habe nichts anderes gehört…. Da waren wir schon erleichtert, der Schreck saß noch recht tief.
So waren wir aber immerhin schön früh losgekommen und nach zwei Stunden Fahrt auf der Panamericana durch die Wüste kamen wir in die Randgebiete von Lima und das Verkehrschaos begann.
Exkurs Lima: Die Region Lima umfasst heute über 11 Millionen Einwohner und ist damit eine der größten Städte Südamerikas und die zweitgrößte Wüstenhauptstadt der Welt, Millionen Einwohner in den informellen Außenbezirken sind ohne direkten Zugang zu fließendem Wasser, die völlige Verkehrsüberlastung führt zu einer extremen Luftverschmutzung. Gleichzeitig gibt es eine hohe Kriminalitätsrate mit steigenden Zahlen bei Raubüberfällen, Erpressungen und Kleinkriminalität als Folge einer starken sozialen Ungleichheit, die sich im extremen Kontrast zwischen den modernen, wohlhabenden Küstenvierteln und den armen, von Naturkatastrophen bedrohten Siedlungen an den staubigen Berghängen widerspiegelt. Das Wetter in Lima ist durch eine Kombination aus Wüstenklima mit extremer Trockenheit, aber gleichzeitig sehr hoher Luftfeuchtigkeit geprägt. Wegen des(eigentlich) kalten Humboldtstroms direkt vor der Küste regnet es in Lima so gut wie nie. Dafür liegt an 300 Tagen eine dichte, tiefe, graue Nebeldecke über der Stadt. Natürlich gibt es auch sehr schöne Ecken, wie die Altstadt und die Viertel Miraflores und Baranco.
Steffen schlug sich wieder durch den Verkehr, zum Glück waren wir noch vor der Rushhour unterwegs. Wir fuhren zunächst zu unserem Appartment in dem sicheren Stadtteil Baranco und luden dort in unserem Apartment im 12. Stock unser Gepäck ab.
Dann quälten wir uns nochmal eine Stunde durch den Verkehr zum Flughafen. Anne meint, Steffen habe inzwischen so einen südamerikanischen Fahrstil, dass er sich in Deutschland erstmal wieder umgewöhnen müsse, aber sonst wären wir jetzt immer noch nicht beim Flughafen. Man muss sich einfach mutig vor- und zwischenwerfen, sonst bleibt man einfach stehen.
Das Auto abzugeben war wieder erstaunlich unkompliziert. Der Mitarbeiter war total nett, hatte nix zu beanstanden, erkundigte sich interessiert nach unserer Reise und bestellte und uns noch ein Uber für den Rückweg in die Stadt.
Schweren Herzens aber auch ein bisschen erleichtert, dass wir heil wieder angekommen waren, trennten wir uns von unserem Auto, es hat alles super mitgemacht und trotz der Straßen nicht mal einen Platten gehabt (Steffen meint, das Auto hatte Mitleid mit uns, weil ihm klar war, dass wir es auf 4000m Höhe eh nicht schaffen würden, einen Reifen zu wechseln).
Wir haben wirklich großes Glück gehabt, trotz Verkehrschaos in den Städten,vielen Tieren auf der Straße, Straßenschwellen und Schlaglöchern, in denen man zum Teil einen Kleinwagen hätte drin versenken können, ist alles heil geblieben und selbst die Polizeikontrollen, vor denen wir wegen der Korruption so gewarnt worden waren, hatten uns irgendwie immer durchgewinkt.
Insgesamt sind wir rund 3500 km gefahren, wahrscheinlich mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 kmh. Im Foto unten sind man noch einmal die Strecke, die wir gefahren sind. Peru ist wirklich riesengroß, wir waren bisher nur im südlichen Teil.
Deshalb fliegen wir übermorgen für eine Woche nach Chachapoyas, um noch einen Eindruck von Nordperu zu bekommen.
Das Uber brachte uns zurück nach Miraflores zu einem Park, in dem Katzen leben und betreut werden (da waren wir für Xeni). Dort gingen wir erstmal einen Kaffee trinken und Steffen gönnte sich zur Feier des Tages zwei Schokotörtchen. Wir liefen dann zum Parque Amor und von da aus auf einem schönen Weg, immer direkt an der Steilküste entlang durch ganz Miraflores bin ins nächste schöne Stadtviertel Baranco.
Dort kehrten wir auf eine Empfehlung unseres Vermieters ein, vielleicht ist ja in Lima die Chance größer, die vielgerühmte peruanische Küche zu entdecken. Es war auch tatsächlich ziemlich lecker, vor allem die Vorspeise, eine Art Torte aus Kartoffelbrei, Fisch und gelbe Paprika.
Wir gingen dann nach durch die Straßen von Baranco zurück zu unserem Appartment, wo wir noch kurz die Dachterrasse mit Pool im 23. Stock besichtigten und dann ziemlich erschöpft ins Bett fielen.


















