05.11.2026 Wir erkunden Limas Altstadt

Nach einer ziemlich lauten und warmen Nacht in unserem 12. Stock fuhren wir per Uber in die Altstadt von Lima. Der Himmel war natürlich grau und dabei war es trotzdem ziemlich heiß und schwül, dazu das übliche Verkehrschaos. Aber wenn man ein Land erkundet, muss man natürlich auch dessen Hauptstadt kennenlernen.

Wir liefen durch eine Fußgängerzone und suchten zuerst nach einem Optiker, bzw. die Optikerstraße, da an einer Tankstelle im Heiligen Tal jemand auf Annes Sonnenbrille getreten war und dabei ein Glas zerbrochen ist. Leider handelt es sich dabei um eine Gleitsichtsonnenbrille, man kann also nicht einfach eine neue Brille kaufen.

Schon in anderen peruanischen Städten war es uns etwas Merkwürdiges aufgefallen und in Lima war es nicht anders: Geschäfte von einer Sorte sind alle in einer Straße hintereinander. So gibt es z.B. in einer Straße ausschließlich Optiker, in Lima waren das ca. 50 Geschäfte. Das gleiche gilt auch für Blumengeschäfte, Friseure, Reisebüros, Eisdielen, Elektrogeschäfte, Kleidungsgeschäfte, Massageangebote, Eisenwaren usw.

Wir fanden auch eine Optikerin, die uns innerhalb von drei Stunden eine neue entsprechende Brille anfertigen wollte. 

Danach gingen wir zum riesigen Plaza Mayor mit Kathedrale, erzbischhöflichen Palast, Rathaus und Regierungspalast, vor dem gerade mit viel Tamtam eine Wachablösung stattfand. Auf sowas stehen die Leute komischerweise überall…

Wir gingen dann noch durch die Straßen und schauten die vielen schönen Kolonialgebäude an, deren Markenzeichen in Lima die über 1600 kunstvoll geschnitzten Holzbalkone sind. 

Exkurs: Holzbalkone in Lima Ihre Wurzeln reichen bis in die Kolonialzeit des 16. Jahrhunderts zurück. Spanische Kolonialherren brachten Einflüsse der andalusisch-arabischen Gitterfenster und der islamischen Baukunst aus Spanien mit nach Südamerika. Im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts entwickelten sich diese geschlossenen Holzbalkone in Lima zu einer eigenständigen lokalen Kunstform. Die Konstruktionen dienten als geschickte Verbindung zwischen dem privaten Innenraum und dem öffentlichen Straßenleben. Vor allem Frauen der Oberschicht konnten durch die feinen Holzgitter das Geschehen auf der Straße beobachten und mit Verehrern oder Musikern in Kontakt treten, ohne selbst von außen gesehen zu werden.

Dann mussten wir uns erstmal in einem Cafe ausruhen und stärken, die schwüle Hitze war wirklich anstrengend.

Anschließend gingen wir noch zum Casa de la Literatura, welches früher ein Bahnhof war und machten eine interessante Führung durch die Basilika und das Convento San Francisco.

Exkurs: Convento de San Franciso DasConvento de San Francisco beherbergt zwei der bedeutendsten historischen Schätze Südamerikas. Im Obergeschoss des Klosters befindet sich eine barocke Bibliothek. Sie gleicht einer Zeitkapsel und beherbergt eine außergewöhnliche Sammlung von rund 25.000 antiken Bänden und seltenen Texten. Die Franziskanermönche trugen hier über Jahrhunderte wertvolles Wissen zusammen. Besonders interessant waren die offen ausgestellten Gesangsbücher aus dem 16. Jahrhundert (Texte und Noten waren riesig, aber damals gab´s halt keine Gleitsichtbrillen…). Direkt unter dem kunstvollen Holzboden der Kirche erstreckt sich das genaue Gegenteil: ein labyrinthartiges, düsteres System aus Ziegel- und Mörtelgewölben. Diese unterirdischen Katakomben dienten von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum Jahr 1808 – als außerhalb der Stadtmauern ein neuer Zentralfriedhof eröffnet wurde – als primäre Ruhestätte für die Bevölkerung Limas. Schätzungen gehen davon aus, dass hier im Laufe der Jahrhunderte bis zu 70.000 Verstorbene beigesetzt wurden. Erst bei Ausgrabungen im Jahr 1943 ordneten Archäologen die freigelegten Gebeine nach Knochenart. Heute blickt man in bis zu 15 Meter tiefe Brunnen und Kammern, in denen Schädel und Oberschenkelknochen in fast schon kunstvollen, kreisförmigen und geometrischen Mustern arrangiert sind. Es erinnert ein bisschen an Mandalas, halt nur mit Knochen, insgesamt aber schon etwas schräg…..

Wir streiften dann langsam durch die Straßen zurück zum Optiker. Leider war gar nix fertig, wir hatten eher das Gefühl, dass nicht mal angefangen wurde. Nach langem Warten und einigem Hin und Her fuhren wir ohne Brille wieder zurück nach Baranco.

Jetzt waren wir eigentlich ziemlich platt, aber wir mussten noch umpacken. Morgen fliegen wir nach Chachapoyas in Nordperu und die Fluglinie erlaubt nur 15 kg Gepäck. Wir packten also eine Extratasche mit den Sachen, die wir nicht mitnehmen und brachten sie mit dem Uber zu der Wohnung von Sasha und Cesi. Das waren unsere Vermieterinnen in Arequipa.

Sasha hat – warum auch immer – zusätzlich zu ihrem Haus in Arequipa eine große Wohnung in Lima. Cesi macht in dieser Wohnung zur Zeit 4 Wochen Urlaub. Die beiden hatten uns schon in Arequipa angeboten, dass wir dort unser Gepäck lagern und dort auch wohnen könnten.

Wir wollten das Angebot nicht überstrapazieren und waren deshalb unseren ersten Teil in Lima im Apartment, aber jetzt siedeln wir, bzw. erstmal unser Gepäck um.

Nach einem erfreuten Wiedersehen gingen wir gemeinsam in ein koreanisches Restaurant essen. Also mal nicht „klassich“ peruanisch, es gab sogar Soße.

Ein Kommentar

  1. Karin u.Manfred

    Nach euren historischen Erkundigungen seid ihr dann ins Kloster als Nonne und Mönch
    eingetreten und verlasst die
    Zivilisation.🤣

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert