27.10.2026 Machu Picchu!!

Nach einem kurzen Frühstück stellten wir uns um 5.45 Uhr in die Busschlange, zum Glück waren wir ziemlich weit vorne. Dort wurden wieder Eintrittskarten, Bustickets und Pässe kontrolliert und die Menschen nach und nach in die Busse verfrachtet. Es ist alles gut organisiert. Überhaupt dürfen nur 5000 Menschen täglich Machu Picchu besuchen und das zu gestaffelten Zeiten für insgesamt 9 verschiedene Routen, dadurch werden die Besucherströme stark kanalisiert und es ist tatsächlich nicht zu voll.

In der Warteschlange sprach uns die Reiseleiterin Marisol an, die uns eine private Führung durch die Anlage anbot. Da wir dies bis jetzt an verschiedenen Orten ausgeschlagen hatten, manchmal aber dachten, es könnte mit Führer doch interessanter sein, willigten wir ein.

Nach 30minütiger Busfahrt in Haarnadelkurven steil den Berg hinauf waren wir da. Marisol hatte uns schon auf der Fahrt viel Interessantes erzählt und ging mit uns durch die untere Anlage.

Der Ort ist wirklich überwältigend schön und hat eine fast magische Atmosphäre. Zuerst lag noch der Nebel über der Anlage und den Bergen, der sich dann langsam lichtete und dann sogar die Sonne schien. Wir sahen den Tempel des Wassers, den Tempel des Kondors, den Sonnentempel, die Unterkunft des Inca und viele Wirtschaftshäuser. Marisol erzählte viel über die Religion und die Gesellschaftsordnung der Inka.

Exkurs: Die Religion der Inka  Die Religion der Inka war tief mit der Natur, der Landwirtschaft und der politischen Macht des Reiches verwoben. Im Zentrum des Pantheons stand Inti, der Sonnengott, welcher als der mythische Ahnherr der Inka-Herrschers verehrt wurde, was dessen absolute Macht göttlich legitimierte. Neben Inti besaß der Schöpfergott Viracocha eine fundamentale Bedeutung als Urheber des Universums, während Pachamama (die Mutter Erde) für Fruchtbarkeit und reiche Ernten angefleht wurde. Die Inka glaubten an eine allgegenwärtige spirituelle Energie, die sich in sogenannten Huacas manifestierte – heiligen Orten oder Objekten wie Bergen, Quellen, Felsen oder auch Mumien von Vorfahren. Diese Ahnenverehrung spielte eine zentrale Rolle; die einbalsamierten Körper verstorbener Herrscher wurden wie lebende Wesen behandelt, bei Festen herumgetragen und um Rat gefragt. Kultpraktiken und Opfergaben waren Bestandteil des Alltags. Die Priesterschaft organisierte im rituellen Kalender monumentale Feste, als Opfergaben dienten meist Nahrungsmittel, Chicha (Maisbier), Coca-Blätter und Meerschweinchen oder Lamas, in Zeiten von Krisen – auch rituelle Menschenopfer, bei denen meist Kinder den Berggöttern dargebracht wurden(s. die Eismumien). Insgesamt diente die Religion den Inka nicht nur zur Erklärung von Naturphänomenen, sondern war das fundamentale Bindeglied, das ihr riesiges Reich politisch und sozial zusammenhielt.

Nach zwei Stunden gelangten wir an den Ausgangspunkt der zu unserer gebuchten Tour gehörenden Wanderung auf den Huayna Picchu, den steilen Berg, der das Wahrzeichen von Machu Picchu ist. Das hatten wir ganz ursprünglich nicht so geplant. Aber die Route, die wir eigentlich buchen wollten, war schon ausgebucht, obwohl wir uns Monate vorher darum gekümmert haben (und die jetzt von uns gebuchte eigentlich als die beste gilt). Zur Auswahl stand nur eine – vergleichsweise – kurze Tour durch die obere Stadt oder eben diese, die wir dann gebucht haben, aber schon zweifelnd, ob wir es wirklich da hoch schaffen würden. Marisol, die viele Jahre auf dem viertägigen Inkatrail als Guide gearbeitet hatte, sagte uns, dass sie jetzt mit 52 zu alt für den Aufstieg auf den Huayna Picchu sei, aber wir könnten es ja ruhig mal versuchen, wir könnten ja jederzeit umkehren….

Wenn man vor dem Berg steht, kann man sich tatsächlich nicht vorstellen, dass man da hoch und wieder runter kommen kann, aber wir liefen erstmal los.

Es ging die meiste Zeit über wirklich steile Wege und Steintreppen hoch, zum Glück oft mit einem Seil gesichert, an dem man sich festhalten konnte. Mit vielen Pausen kamen wir langsam vorwärts.

Nach einer Stunde wurde es dann nochmal richtig steil und schmal und wir verstanden auch, warum man für diese Tour schwindelfrei sein sollte. Zum Teil musste man wirklich auf allen Vieren laufen. Wir schafften es aber auf den Gipfel. 

Steffen war natürlich schneller oben und hatte für Anne, als sie oben ankam, ein Happy Birthday – Geburtstagsständchen (es waren gerade mehr Englischsprachige oben angekommen) organisiert,, toll! 

Auch hatte er Entgegenkommende gebeten, Anne anzufeuern, weiter zu gehen, sie sei schon fast oben, das Schlimmste sei geschafft. Anne hatte sich schon über den vielen Zuspruch gewundert :-).

Oben war es wirklich total überwältigend. Der Gipfel ist wirklich spitz und es ist kaum Platz. Man hat einen unglaublichen Blick auf Machu Picchu und fühlt sich wie ein Adler, grandios!

Nach einem Picknick machten wir uns an der Abstieg. Dieser fühlte sich zumindest am Anfang fast noch schlimmer an, weil einem wirklich schwindelig werden konnte. Dann kam uns auch noch einer entgegen, der fragte, wie viele Leute hier eigentlich jährlich zu Tode kämen, na Danke! 

Wir gingen die super schmalen Treppen rückwärts. Dann kam ein Felsdurchgang mit Höhle, der an einer Stelle so schmal war, dass man sich – ohne Rucksack – auf allen Vieren irgendwie durchquetschen musste. Neben Höhenangst wurde jetzt auch noch die Klaustrophobie bedient. Danach wurde es etwas besser und dank der Seile hangelten wir uns sicher wieder nach unten. Jetzt feuerten wir die Leute an, die nach Atem ringend am Aufstieg waren. 

Unten kam ein junger Einheimischer an uns vorbei, der uns gratulierte, abklatschte und sagte, es sei sein Ziel, dass er das in unserem Alter auch noch schaffen würde. Da waren wir schon ein bisschen stolz, es war auch eine echt krasse Wanderung. Selbst nach der Tour konnten wir uns kaum vorstellen, dort oben gewesen zu sein, allerdings: wir trafen noch einen Führer, der uns mitteilte, der Rekord für einen Gipfelrun liege bei einer guten halben Stunde, also alles relativ…

Wir gingen dann durch die Ruinen zurück zum Ausgang. Dort war leider eine lange Schlange für den Bus, aber zum Glück erfolgte der Abtransport wieder sehr gut organisiert und schneller als gedacht. 

Um 14.00 Uhr waren wir wieder in Aguas Calientes. Als Geburtstagsgeschenk bekam Anne eine 60-minütige Inka-Massage, super schön, und Steffen hat aus Solidarität gleich mitgemacht (:-).

Während Anne danach erholt und wieder munter war, schwächelte Steffen leider etwas. Die letzten Tage war er sowieso schon erkältet und die kleine Wanderung war der Genesung auch nicht gerade zuträglich.

Wir holten noch ein paar Sachen aus dem Hotel und waren noch auf einen Geburtstagskuchen im Cafe.

Um 16.30 Uhr fuhr unser Zug zurück nach Ollantaytambo. Anne ließ sich zur Feier des Tages noch einen Pisco Sour mixen. Der beste Geburtstags ihres Lebens!

Leider hatten wir dann 15 Minuten vor Ankunft einen Lokschaden und blieben auf offener Strecke stehen. Nachdem sie eine ganze Zeit vergeblich versucht hatten, den Schaden zu beheben – wir hatten und schon eine Nacht im Zug vorgestellt – , koppelte die Lok des nach uns kommenden Zuges an und schob uns bis in den Bahnhof, ein Glück.

Dort wartete – dankenswerterweise immer noch – unser Mototaxi und brachte uns nach Hause, wo wir erschöpft ins Bett fielen.

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