31.10.2026 Quer über die Anden, Tag 1: Von Ollantaytambo nach Andahuaylas

Früh um 7.30 Uhr fuhren wir los. Der Navi zeigte für 345 km 8,5 Stunden an, aber das wussten wir ja vorher.

Der Anfang lief nicht so gut: Erstmal so viele Schlaglöcher, dass man nur sehr sehr langsam fahren konnte und dann lagen immer wieder sehr viele riesige Gesteinsbrocken auf der Straße, wahrscheinlich von Erdrutschen. Kleine Abschnitte waren ganz zugeschüttet und man musste sie irgendwie neben der Strasse umfahren. Die vielen Schilder „Steinschlaggefahr“ halfen einem da auch nicht weiter, was sollte man denn tun (?). Da waren wir doch kurz unsicher, ob wir vielleicht doch lieber umdrehen sollten …

Dann wurde aber die Straße erstmal richtig gut, die Erdrutschschäden ließen nach, bis wir zu einer Straßensperrung wegen Bauarbeiten kamen. Eine Bauarbeiterin schickte uns mit kurzen zackigen Bewegungen – wohl – auf einen Feldweg, der kaum diesen Namen verdiente, sondern erstmal nur wie eine Zufahrt zu einem Bauernhof wirkte. Nach längerer Diskussion: Anne: „Wir sollen nur auf diesem Weg den Gegenverkehr abwarten, den kann mann nicht fahren…“; Steffen: „Doch, warten hätten wir auch auf der Strasse können..“ fuhren wir den Feldweg weiter, der erstmal so voll spitzer Steine lag, dass Steffen ausgestiegen ist, um das Auto vorsichtig drum herum zu leiten. Der Weg führte auch unglaublich weit ab von der Strasse in die Felder, bis wir in der Ferne doch ein anderes Auto sahen, wo wir hinfuhren. Nach einer langen halben Stunde kamen dann plötzlich auf dem Feldweg Schilder, die so taten, als wäre das die ganze Zeit die natürlichste Umleitung der Welt…. . Ein kurzer Schreckmoment war noch, als dem nächsten Bauarbeiter, den wir fragen, unser Fahrtziel völlig unbekannt schien, aber das lag wohl an Annes Aussprache incl. ihrer üblichen Buchstabenverdrehung…, es konnte ja nur eine Richtung sein ..

Von da an lief es aber super. Die Straße war gut asphaltiert und hatte kaum Schlaglöcher. Allerdings ging es in Kurven und steilen Kehren entweder hoch oder runter. Gefühlt sind wir kaum ein Stück geradeaus gefahren. Zweimal fuhren wir über Pässe von über 4.300 m und zwischendurch ging es jeweils auf unter 1800 m runter. Endlich sahen wir an einem Pass auch mal wieder unsere geliebten Vicunjas.

Anders als wir es aus Chile und Argentinien von den Andenüberquerungen her kannten, ist es hier oben meistens recht grün, überall sind kleine Dörfchen mit Landwirtschaft, selbst noch auf 4000 m werden Felder (oft mit Kartoffeln) bebaut, in den Höhen darüber Weidewirtschaft sogar mit Kühen. Es gab auch hier viele Eukalyptusbäume und in den Tälern war fast schon tropische Vegetation samt entsprechender Hitze.

Wir schafften es – gefühlt gerade so – die Stadt Abancay, die sehr häßlich und völlig chaotisch ist, zu durchqueren. Überhaupt haben nämlich die meisten peruanischen Städte keine typischen „Durchfahrtsstraßen“. Man wird durch wirklich kleine, enge und unasphaltierte Gassen geleitet, in denen man denkt, wie sollen wir hier durchkommen, geschweige denn ein LKW. Wenn irgendwo ein größeres Fahrzeug hält, kommt man eben so lange nicht durch. Immer wieder passiert es, z.B. kurz nach einem Ortseingang, dass der Asphalt völlig abbricht und sich Löcher auftun, durch die man sich kaum geradeaus durchtraut (es wäre wirklich interessant zu wissen, woran das liegt). Weiterführende Straßenschilder gibt es meist gar nicht, dafür viele Sperrungen und Umleitungen. 

Wirklich spektakulär war (genauso wie am nächsten Tag in Andahuaylas), dass wir mindestens eine halbe Stunde unterbrochen steil bergab gefahren sind, wir konnten es nicht fassen, wie lange man innerhalb derselben Stadt bergab fahren kann.

Wir wechselten uns beim Fahren ab und hatten auch unser Picknick während der Fahrt, da wir uns nicht trauten, groß Pausen zu machen, wir wollten auf jeden Fall vor Einbruch der Dunkelheit ankommen (und man weiß ja nie, welche Umleitung noch kommt – und GoogleMaps weiß es oft auch nicht, mit Waze kommen wir nicht so richtig zurecht).

Die Aussichten auf schneebedeckte Berge und tiefe Täler wurden immer spektakulärer, die Strassenverhältnisse blieben gut, so dass wir – zum Glück – schon um 16.30 Uhr unser Ziel erreichten. Wir hatten vorher beschlossen, nicht direkt in der Stadt Andahuaylas zu schlafen, sondern hatten, etwas außerhalb, ein Hotel direkt an der Laguna Pacucha gefunden und vorbestellt, total malerisch, solche Seen gibt es nicht viele in den Anden (es gibt auch in der Nähe ein auf den See bezogenes Heiligtum der Chankas, ein berühmter kriegerischer Stamm, der erst nach hartem Kampf von den Inka in ihr Reich eingegliedert wurden, wir haben uns aber gegen eine Besichtigung (500 Stufen hoch auf eine Pyramide) und für eine Ankunft im Hellen entschieden.

Wir bekamen ein Zimmer mit Seeblick und Balkon und konnten noch einen Spaziergang am See machen, wo wir noch ein Schwein im Schilfufer antrafen..
Zum Abendessen bekamen wir Forelle direkt aus dem See, allerdings wie immer nur mit trockenen Kartoffeln und ohne jede Soße. Dafür wurde noch extra für uns ein Feuer im Innenhof gemacht…

Der erste Abschnitt war schon mal geschafft…

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