Um 7.45 Uhr hat uns Ruben mit dem Boot abgeholt und uns zum Hafen gefahren. Wir holten unser Auto ab und nach einem herzlichen Abschied fuhren wir los. Der Navi zeigte knapp sieben Stunden für die 360 km bis Cusco, aber das kannten wir ja schon.
Zuerst gönnten wir unserem völlig verschmutzten Auto eine Wäsche, da man vor Dreck kaum noch aus dem Fenster gucken konnte. Wir fühlten uns sehr gut in Zeit und machten deshalb noch einen kleinen Abstecher zum eindrucksvollen Tinajana Canyon, in welchem es tolle Felsformationen und Ausgrabungen gibt, leider ohne Asphalt über Sand und durch kleine Flüsse, so dass wir uns die Wäsche auch hätten schenken können…
Leider ging es auch danach nur langsam voran und kurz vor dem höchsten Pass gab es einen Vollsperrung, die noch mindestens zwei Stunden andauern sollte. Wir entschlossen uns also für eine nicht asphaltierte und ziemlich abenteuerliche – vor allem schmale – Nebenstrecke über die Berge, besser als stundenlanges Warten.
Es wurde immer später und der Navi korrigierte seine Zeit immer weiter nach hinten, deshalb hielten wir auch nur kurz an, um uns zwei trockene Brötchen zu kaufen.
Dann fuhr Anne auch noch in ein riesiges tiefes Schlagloch. Völlig erstaunlicherweise fuhr das Auto auf den ersten Blick erstmal unverletzt weiter, ein Glück!!
Das Fahren allgemein ist schon herausfordernd. Plötzliche riesige Schlaglöcher, dazu Hunde, Alpakas, Lamas, Schafe, Kühe und Pferde, die plötzlich vors Auto springen. Außerdem gibt es ständig große Fahrbahnschwellen, um den Verkehr vor Ausfahrten usw. zum langsamen Fahren zu bringen. Diese sind so hoch, dass man wirklich völlig abbremsen und in Schrittgeschwindigkeit darüber fahren muss. Das ist ja eigentlich eine gute Idee (weil sie eh keiner an die Geschwindigkeitsbegrenzungen hält), allerdings sind die wenigsten farblich gekennzeichnet oder angekündigt, so dass man sich ständig total konzentrieren muss, um nicht plötzlich darüber zu segeln, denn oft ist nicht richtig nachvollziehbar, warum sie gerade an der Stelle angebracht sind (z.B. mitten auf einer zweispurigen Straße ohne Kreuzung, Einfahrt o.ä.).
Langsam wurde es dunkel und für die restlichen 36 km zeigte der Navi immer noch 90 Minuten an. Das erklärte sich dann durch den völlig chaotischen Verkehr in Cusco, das immerhin ca. 500.000 Einwohner hat. Steffen fuhr wirklich heldenhaft durch die Stadt, besonders spannend waren die mehrspurigen Kreisel, deren Verkehrsführung ausschließlich über Hupen und Dazwischendrängeln zu funktionieren scheint.
Unser Vermieter Carlos hatte uns einen Punkt genannt, an den wir fahren sollten und uns dann bei ihm melden, unsere Wohnung ist nämlich nur über viele Stufen erreichbar (wieviele wussten wir zu diesem Zeitpunkt zum Glück noch nicht…). Irgendwie waren wir dann doch an dem falschen Punkt und es dauerte nochmal eine halbe Stunde, bis er zu uns kam. Dann setzte er sich mit uns in Auto, um zu einem Punkt zu fahren, von wo aus es weniger Treppenstufen seien. Die Straßen wurden immer enger, die Fußgänger mussten sich schon an die Wände drücken, damit wir vorbeifahren konnten. Dann war in der Mitte der Straße noch ein Rinne, zum Teil war rechts und links vom Auto noch höchstens 1-2 Zentimeter Platz (bei eingeklappten Spiegeln) und zwischendurch ging es noch über – ziemlich klapprige – Gitter (über der abbiegenden Rinne), auf die wir uns nicht mal zu Fuß gestellt hätten…Aber Carlos meinte, das passe schon, immer weiter, Steffen würde das ja super machen, dann ginge es schon… Steffen hat zum Glück teilweise gar nicht gesehen, wie eng es oben – bei an den Hauswänden hängenden Blumenkästen – war..
Wir hielten dann vor unserer Treppe und Carlos meinte, Steffen könne das ja nachher rückwärts alles zurückfahren – wir waren in einer Sackgasse, am Ende Abwärtsstufen) – um weiter unten in einer bewachten Garage zu parken. Das war der Moment, wo Steffen sich dann doch geweigert hat und auf einer irgendwie gearteten Wendemöglichkeit bestanden hat. Wir fuhren dann noch ein wenig weiter, um in einer Mini- Garageneinfahrt ein höchst kompliziertes Wendemanöver zu machen. (Übrigens: Als wir am nächsten Tag wegen des schweren Einkaufs mit einem Taxi aus Stadt zu unserer Treppe fahren wollten, hat der Taxifahrer (mit deutlich kleinerem Auto) dankend abgelehnt und uns 500 m vorher rausgelassen…)
Schließlich mussten wir unser Gepäck nur noch 227 unregelmäßige, sehr hohe und steile Stufen hochtragen. Gut, dass wir von 4000 m kamen und jetzt nur auf 3600 m sind, sonst hätten wir es nicht geschafft. Reiseleitung Anne hat zwar lagemäßig wieder eine super Unterkunft gefunden (ganz oben am Hang, der Blick über ganz Cusco ist wirklich fantastisch), aber die ist diesmal hart erkauft… erst recht nach diesem langen Fahrtag mit dem ganzen Gepäck (Höhe des Ortes, Gewicht des Gepäcks und Alter der Reisegruppe waren nicht ganz in Einklang). So schleppten wir uns – auf Carlos Rat mit vielen Pumpausen – allmählich die Treppen hoch..
Carlos war äußerst redselig, er kann sogar ein bisschen (aber für uns kaum verständliches) Deutsch, weil er als Künstler in der Schweiz gelebt hat. Wir würden eigentlich lieber Spanisch sprechen.…
Carlos holte erstmal etwas zu Trinken und erklärte uns von unserer Terrasse aus die ganze Stadt. Wir dagegen hatten nur zwei Wünsche: Essen und Bett! Irgendwann konnten wir ihn stoppen. Wir schleppten uns die 227 Stufen wieder runter und Steffen steuerte mit Hilfe von Carlos wieder durch die engen Gassen und suchten einen bewachte Garage, die wir dann zum Glück auch fanden. Die Fahrt dahin brachte uns nervlich doch an unsere Grenzen (die gleiche Strecke zurück!), da Carlos irgendwie nicht dazu zu bewegen war, sich anzuschnallen, und das Auto im Protest-Piepen alle seine Eskalationsstufen ausspielte, was Carlos nicht daran hinderte, über die sich steigernden Piepstufen drüber weiterzuerzählen – hätte Anne eine Waffe gehabt, hätte es wohl einen toten Vermieter zu beklagen gegeben…
Nachdem wir unser Auto endlich in einer Garage abgestellt hatten (diese war schon zu und Carlos hat es geschafft, dass wir trotzdem noch hineingelassen wurden) – es war inzwischen 22.30 Uhr und wir hatten heute quasi noch nichts gegessen – zeigte Carlos uns noch in der Innenstadt ein Restaurant, in dem wir gemeinsam aßen und hinterher zum Glück noch einen Laden fanden, wo wir Obst und Jogurt fürs Frühstück einkaufen konnten. Die Vorstellung, morgens vor dem Frühstück mal kurz hoch und runter zum Einkaufen zu gehen, war doch nicht so reizvoll.
Zurück nahmen wir glücklicherweise ein Taxi (das uns auch vorher rausgeschmissen hat) und dann konnten wir uns auch endlich – nach den 227 Stufen – von Carlos verabschieden und um 0.30 Uhr ins Bett fallen. Morgen defintiv Chilltag!
Es ist zwar super spannend, so viele unterschiedliche Menschen auf unserer Reise kennenzulernen und wir haben die Unterkünfte auch bewusst danach ausgewählt, aber manchmal kann es auch sehr anstrengend sein. Hinzu kommt, dass man manchmal auch nicht weiß, ob man sich kulturell angemessen verhält oder vielleicht ohne es zu merken, etwas falsch macht, was manchmal auch stressig ist. Vieles bekommt man auch einfach nicht heraus. So haben auf unserer Schilfinsel Anais und ihre Tochter immer einen Lachkrampf bekommen, wenn sie uns morgens das Frühstück gebracht haben. Wir haben keine Ahnung wieso, wir haben sogar das Bett gemacht und saßen ganz ordentlich angezogen da, aber irgendwas muss sehr witzig gewesen sein…
Exkurs: Cusco: Das Inkareich, das im 15. und frühen 16. Jahrhundert seine größte Blüte erlebte, gilt als das größte Imperium des präkolumbischen Amerikas. Es erstreckte es sich über eine Länge von fast 5.000 Kilometern entlang der Anden. Die geografische Ausdehnung reichte vom heutigen Südwesten Kolumbiens und Ecuador im Norden über Peru und Bolivien bis weit nach Chile und Argentinien im Süden. Auf einer Fläche von rund einer Million Quadratkilometern einte das Reich extreme Lebensräume von den trockensten Wüsten der Pazifikküste über die lebensfeindlichen Hochgebirge der Anden bis hin zu den Rändern des tropischen Amazonas-Regenwaldes. Regiert wurden die schätzungsweise 10 bis 12 Millionen Einwohner durch eine hocheffiziente Verwaltung und ein über 40.000 Kilometer langes Straßennetz, welches Truppenbewegungen, Handel und die Nachrichtenübermittlung durch königliche Staffelläufer garantierte. Inmitten dieses gewaltigen Imperiums nahm die Stadt Cusco als eine Art Hauptstadt auf rund 3.500 Metern Höhe eine absolut zentrale und sakrale Rolle ein. Ihr Name leitet sich vom Quechua-Wort Qosqoab, was übersetzt „Nabel der Welt“ bedeutet. Dieser Name war wörtlich zu nehmen, denn Cusco bildete das unbestrittene politische, administrative und religiöse Zentrum des gesamten Reiches. Am zentralen Hauptplatz der Stadt liefen die Grenzen der vier Reichsteile zusammen, sodass die Geografie des Imperiums direkt im Stadtplan gespiegelt wurde. Cusco war der Wohnsitz des als gottgleich verehrten Herrschers, des Sapa Inka, und beherbergte mit dem Qorikancha(dem goldüberzogenen Sonnentempel) das wichtigste Heiligtum der Inka-Religion. Zudem bildete die Stadt den Ausgangspunkt aller königlichen Straßen. Nach der Ankunft der spanischen Eroberer unter Francisco Pizarro im Jahr 1533 wurde Cusco eingenommen und teilweise zerstört. Die koloniale Architektur wurde jedoch direkt auf den massiven, perfekt verzahnten und erdbebensicheren Inka-Fundamenten errichtet, weshalb Cusco bis heute ein weltweit einzigartiges architektonisches Zeugnis dieser Kulturgeschichte darstellt.
















