Heute waren wir wieder fitter und entschlossen uns, die vier bekanntresten Inkastätten zu besuchen, die in der Nähe von Cusco liegen. Zur Schonung unserer Nerven entschieden wir uns dafür nicht mit unserem Auto zu fahren, sondern machten uns erstmal zu Fuß auf zur ersten Inkastätte, zunächst wieder über viele Treppenstufen…
Dort trafen wir auf Bryan, der uns anbot, uns mit seinem Taxi zu den verschiedenen weiteren Stätten zu fahren und uns dazu noch Sachen aus seiner Comunidad zu zeigen. Er lebt seit seiner Geburt in einer indigenen Gemeinschaft oberhalb von Cusco, die von der Alpaka- und Pferdezucht lebt.
Als erstes fuhren wir nach Tambomachay, auch das Bad des Inka genannt. Dabei handelt es sich um einen heiligen Ort des Wasser und eine rituelle Badeanlage. Natürliche Quellen werden durch ein ausgeklügeltes System durch Steinrinnen zur Anlage geleitet.
Etwas weiter liegt Puka Pukara. Vermutlich unter Inka Pachacutec im 15. Jahrhundert erbaut, diente der Ort als strategischer Kontrollpunkt, Wachposten und Raststätte für Reisende, Händler, Boten sowie das Inka-Heer an der Straße zum Heiligen Tal. Die Anlage besteht aus drei Ebenen mit Terrassen, Treppen und unregelmäßigen Steinmauern.
Danach fuhr Bryan mit uns in eine Kooperative seiner Dorfgemeinschaft, die aus 140 Familien besteht und im Rahmen der Alpakazucht Textilien aus Alpakawolle herstellt, die im Laden der Kooperative verkauft werden. Zuerst bekamen wir einen Vortrag über die verschiedenen Arten der Alpakawolle und ihre Verarbeitung. Das Alpaka ist dort ein heiliges Tier, da es die Lebensgrundlage sichert. Dort werden – so sagen sie jedenfalls – Alpakas auch nicht geschlachtet, obwohl ihr Fleisch sehr hochwertig (und in den Restaurants sehr verbreitet) ist. Es wird bis zum 14. Lebensjahr geschoren, danach lebt es einfach bis zum natürlichen Tod in der Herde weiter. Besonders weich, leicht, warm und wasserabweisend ist die sogenannte Baby-Alpakawolle.
Wir nahmen dann noch an einem Ritual des Schamanen der Dorfgemeinschaft teil, der uns mit verschiedenen Kräutern, verbrannten Cocablättern, Pachamama-Gebeten und Tönen mit Glocken und Blasen in ein Muschelhorn Gesundheit und eine gute Reise schenken sollte. Vielleicht ein Touristennap, aber sehr interessant und es hat sich auch irgendwie sehr gut angefühlt. Auf jeden Fall ist es bei unserer Abenteuerreise sicherheitshalber nicht verkehrt.
Weiter ging die Fahrt nach Qénqo (Quechua-Sprache:) Labyrinth, was auf die verschlungenen Gänge der Anlage hinweist. Das Besondere an diesem Heiligtum ist, dass es nicht aus einzelnen Steinblöcken gebaut, sondern direkt aus eine riesigen, natürlichen Kalksteinfelsen herausgemeißelt wurde. Historiker vermuten, dass der rituelle Komplex als heiliger Schrein diente, in dessen unterirdischer Felsenhöhle Mumifizierungen oder religiöse Opferrituale stattfanden. Auf der Oberseite des Felsens verläuft zudem eine markante, im Zickzack eingehauene Rinne, durch die bei Zeremonien Flüssigkeiten wie Maisbier oder Blut flossen, um Orakel zu deuten.
Dort picknickten wir in noch in einem Eucalyptuswald. Eucalyptusbäume sind hier interessanterweise weit verbreitet. Sie wurden im letzten Jahrhundert aus Australien eingeführt, weil sie gut mit den klimatischen Bedingungen und der Höhe zurechtkommen (was leider für die Koalabären nicht gilt, welche die Kälte nicht vertragen) und schnell wachsen. Es durftet daher immer mal wieder sehr angenehm.
Anschließend fuhren wir zum Aussichtspunkt Christo Blanco mit der 8 m hohen Christusstatue. Nicht ganz so groß wie die in Rio, aber vom gleichen Künstler und auch schön.
Als Abschluss kam Sacsayhuaman (Quechua für „gesättigter Falke“). Die Anlage wurde im 15. Jahrhundert als Kombination aus militärischer Festung, Repräsentationsort und zeremoniellem Heiligtum errichtet. Berühmt ist Sacsayhuamán vor allem für seine gigantischen Zickzack-Steinmauern, deren bis zu über 100 Tonnen schwere Kalksteinblöcke gänzlich ohne Mörtel so präzise ineinandergefügt sind, dass sie selbst heftige Erdbeben überdauert haben. Nachdem die Anlage während der spanischen Eroberung teilweise zerstört und als Steinbruch für das koloniale Cusco genutzt wurde, gehört sie heute zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Auch dort kraxelten wir eine gute Stunde durch die imposante Anlage.
Jetzt hatten wir genug von den Inkas für heute. Es war aber ein sehr schöner Tag. Die Stätten waren alle sehr unterschiedlich und beeindruckend. Zum Sonnenuntergang schleppten wir uns unsere 227 Stufen hoch.
Steffen machte die Wäsche und Anne kochte. Auch hier gibt es wieder die große 18 kg – Waschmaschine, allerdings: die meisten Waschmaschinen in Peru sind zwar riesig (und haben eine eingebaute Heißlufttrockenfunktion), waschen aber nur mit kaltem Wasser, da sie keine Aufheizfunktion haben, nunja… Man müßte also selbst heißes Wasser zufügen, vielleicht doch nicht so praktisch.


















